Schreiben am Ort der Geschichte
- 23. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Aug.

Ich sitze mit meinem Laptop vor der Mühle. Ein grosser Teil meines Films Not Without a Star soll hier spielen. Während dieser Tage arbeite ich direkt am Schauplatz am Drehbuch.
Der Film ist eine musikalische Tragikomödie, die auf wahren Hintergründen basiert. Ein Schauspieler kommt in die Mühle, um sich auf eine Rolle vorzubereiten. Er soll den Vater einer Familie spielen, deren Alltag auch von einer seltenen genetischen Krankheit geprägt ist.
Durch den Schauspieler lernen wir die Familie und den Ort kennen. Gleichzeitig erzählt der Film von seiner eigenen Entstehung. Wir erleben die Arbeit an der Rolle, die Suche nach der richtigen Form und den Versuch, eine persönliche Geschichte überhaupt auf die Leinwand zu bringen.
Dadurch entstehen verschiedene Metaebenen. Der Schauspieler beschäftigt sich mit seiner Rolle im Film und mit seinem eigenen Platz als Darsteller. Der Regisseur versucht, aus dem wirklichen Leben eine Erzählung zu machen. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wem eine Geschichte, ein Bild oder ein persönlicher Moment eigentlich gehört.
Auch der Titel "Not Without a Star" kommt aus dieser Ebene. In der Filmbranche gilt oft eine einfache Rechnung. Ohne einen bekannten Namen fehlt das Geld. Ohne Geld kann der Film nicht entstehen.
An diesem Punkt berühren sich Filmproduktion und Pharmaindustrie. In beiden Bereichen richtet sich Aufmerksamkeit häufig danach, ob sich eine Investition später auszahlt. Ein Film mit einem schwierigen Thema gilt schnell als zu wenig vermarktbar. Bei einer seltenen Krankheit ist die Zahl der Betroffenen möglicherweise zu klein, um genügend wirtschaftliches Interesse zu wecken.
In beiden Fällen steht am Ende dieselbe Frage im Raum: Lohnt es sich? Für die betroffenen Menschen klingt diese Frage anders als für diejenigen, die über Finanzierung und Profit entscheiden. Diese Analogie gehört zum Kern des Films.
Die Musik ist von Anfang an Teil der Geschichte. Sie soll nicht erst später zu den fertigen Bildern hinzukommen, sondern direkt aus der Handlung und aus diesem Ort entstehen.
Die Mühle hat bereits ihren eigenen Klang. Fast überall hört man das Wasser. Dazu kommen der Wind in der grossen Eiche, Schritte auf den alten Böden, Türen und Geschirr. Zu dieser musikalischen Welt gehören das Cello, Christophs Schallplatten und das leicht verstimmte Klavier.
Diese Klänge erzählen viel über den Alltag in der Mühle. Manchmal drücken sie auch etwas aus, das die Figuren nicht sagen können. Aus ihnen soll sich im Verlauf der Geschichte die Musik des Films entwickeln.
Direkt an der Mühle zu schreiben, macht vieles konkreter. Ich höre, wie laut das Wasser an manchen Stellen ist. Ich merke, wie sich der Klang verändert, wenn ich über eine Brücke gehe oder eine Tür öffne. Dabei wird schnell klar, ob ein Gespräch an einer bestimmten Stelle funktionieren kann oder ob ein Geräusch mehr erzählt als ein weiterer Satz.
Auch die Wege und Räume fliessen in das Drehbuch ein. Vom roten Tor führt der letzte Teil des Weges zu Fuss hinunter. Schmale Brücken verbinden die verschiedenen Seiten des Hauses. Manche Türen lassen sich nur öffnen, wenn man sie leicht anhebt. An solchen Kleinigkeiten lässt sich zeigen, ob jemand noch fremd ist oder den Ort bereits kennt.
Vor Ort merke ich schnell, was funktioniert und was nur auf dem Papier gut klingt. Manche Szenen werden dadurch genauer. Andere streiche ich wieder. Oft sind es kleine Beobachtungen, die einen Moment glaubwürdig machen.
Der Film ist noch im Entstehen. In diesem Produktionstagebuch möchte ich Einblicke in die Arbeit am Drehbuch geben und zeigen, wie sich die Geschichte, die Figuren, der Ort und die Musik langsam zu einem Film verbinden.
Im Moment heisst das für mich vor allem, an diesem Ort zu sitzen, genau hinzuhören und weiterzuschreiben.



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