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Zuger Zeitung: Die Geschichten hinter der Kamera

4. Sept.
3 Min. Lesezeit

Der Hünenberger Filmemacher erhält das mit 50'000 Franken dotierte Zuger Werkjahr 2026. Das Preisgeld fliesst in ein Projekt über ein Familiengeheimnis.


«Ich war recht überrascht, dass ich das Werkjahr erhalte. Es hat mich gefreut. Denn es bewerben sich einige, und Filmemacher sind eher selten», sagt Michael Werder (46) im Gespräch. Die 50'000 Franken des Werkjahres seien als Anschub für die Vorproduktion des Filmprojektes «Version» vorgesehen. Es handelt von einer Familie, die mit einem lang gehüteten Geheimnis lebte. Ihm geht es dabei auch um Fragen der Herkunft, der Identität, des Schweigens und der Wahrheit.


Laut der Jury verleihe diese «Auseinandersetzung mit familiären und gesellschaftlichen Zuschreibungen dem Vorhaben eine besondere Aktualität». Werder sagt: «Ich werde aus meinem riesigen Archiv mit Videoclips und alten Fotos das Material sichten, ein Skript erstellen und dann eine künstlerische Form finden. Mir schwebt eine hybride Form zwischen Dok und Spielfilm vor.» Ob Spielende mitwirken, ist noch offen. Ihn interessiere hier das Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Fiktion. «Mein Ziel ist, innerhalb von rund fünf Jahren ein drehfertiges Projekt zu erstellen, doch das Preisgeld reicht nicht für einen Film.»


Die Auszeichnung sieht er als Referenz und Anerkennung für das bisherige Schaffen. Seine Arbeit bedeutet nicht nur, hinter der Kamera zu stehen, sondern umfasst die ganze Bandbreite einer Film- und Videoproduktion – von Idee, Recherche, Konzept und Drehbuch bis zur Realisierung. Hinter jeder Produktion, bei der er auch personelle Unterstützung erhält, stecken unzählige Arbeitsstunden. Daneben engagiert er sich im Kulturleben: Zusammen mit seiner Frau Regula führt Michael Werder das Kultursilo im Böschhof und ist als begeisterter Fasnächtler Präsident der Eichezunft Hünenberg .


Schon als Kind vom Filmen begeistert

Trotz der vielen Aktivitäten ist die Filmarbeit das Wichtigste. Man kann sagen: Michael Werder hat sich damit einen Kindheitstraum verwirklicht. «Ich durfte einem älteren Bekannten beim Filmen der Fasnachtstheater helfen und habe viel gelernt, auch das Schneiden der Filme.» Als es in der Schule um die Berufswahl ging, wollte er unbedingt das Filmemachen erlernen. «Ich schrieb verschiedene Fachleute an, keiner hat mir geantwortet.» Da er auf einem Bauernhof aufgewachsen war, lernte er Landwirt, ein Beruf, den er jedoch nie ausübte.


Seinen Traum hatte Werder nicht vergessen und besuchte private Kurse, bis ihn ein Zufall an die Zürcher Hochschule der Künste führte. «Ich nahm an, ohne Matur geht das nicht.» Dennoch wurde er 2004 zum Studium zugelassen, das er 2010 mit einem Master in Regie und Drehbuch abschloss. Lachend erzählt er, dass schon während seines Studiums auf dem Hof gefilmt wurde, von ihm und seinen Klassenkameraden.


«In der Abschlusszeit hatte ich von einer Familie erfahren, deren Kinder an einem seltenen Gendefekt litten und die damit an die Öffentlichkeit gehen wollte.» Daraus entstand ein Dokfilm, der 2014 sogar im Schweizer Fernsehen gezeigt wurde. «Ich habe die Familie an Ärztetagungen begleitet und pflege bis heute den Kontakt. Damals entstanden weitere Kurzfilme von Forschern und Ärzten sowie Auftragsarbeiten.» Doch das Drehbuch für den Abschlussfilm liege noch in der Schublade, ergänzt Werder.


So plant er, das Schicksal dieser Familie noch als Spielfilm mit professionellen Schauspielern umzusetzen. «Als Hauptdarsteller ist Max Rüdlinger vorgesehen. Der Drehbeginn ist für 2027/2028 geplant, sofern die Kosten von rund 1,3 bis 1,5 Millionen Franken hereinkommen.» Damit verweist er auf die Hürden, denen sich Filmemacher gegenübersehen. Die öffentliche Filmförderung ist hier eine wichtige Hilfe.


Eine eigene Kultur- und Produktionsstätte

Schon immer wollte er den Bauernhof in ein Kulturzentrum verwandeln. «Mit 21 Jahren habe ich dem Gemeinderat von dem Projekt geschrieben. Erst elf Jahre später wurde es bewilligt. 2013 haben wir mit dem Umbau begonnen, 2014 eröffnet.» Das Filmemachen lief neben dem Kulturbetrieb weiter: «Mit den kommerziellen Anlässen werden die kulturellen mitfinanziert», so Werder. «Mein Ziel ist es, möglichst viel Kultur anzubieten. Erstmals liegt heuer ein Jahresprogramm vor.»


Viele Projekte laufen beim Preisträger parallel. Neben dem Böschhof Kulturgut sind heute Werders Produktionsfirma Werkwürdig, das Tonwerk 57 und die Firma Reinsound in der Anlage vertreten. Die vier Organisationen arbeiten auch als Kollektiv Bandbreite zusammen: Dieses hat 2024 in Cham das Sommernachtsspiel inszeniert. Wie er sagt, ist für 2028 wieder ein solches Freilichtspektakel als Eigenproduktion geplant. «Hier im Böschhof habe ich die Struktur aufgebaut, die mir das Filmschaffen ermöglicht. Wir sind breit aufgestellt für verschieden grosse Projekte.»


Ideen für filmische Geschichten hat er genug, vor allem Schicksale interessieren ihn. «In den Filmen spiele ich gerne mit der Meta-Ebene zwischen Realität und Fiktion.» Für sein Schaffen hat Michael Werder schon einige Preise erhalten. Nun freut er sich auf eine weitere Auszeichnung auf seinem Weg, der mit einem Traum begann.


Hinweis

Die öffentliche Feier zur Preisübergabe findet am Mittwoch, 9. September, um 18.30 Uhr, in der Galvanik Zug statt. Auch einen Förderbeitrag für filmisches Gestalten erhält hier Werders Arbeitskollegin Julia Meienberg.




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